Bündnis kritisiert undurchsichtige Heiz- und Nebenkostenforderungen von Wohnungskonzernen. Intransparenz ermöglicht Bereicherung

Als wären die explodierenden Preise für Sprit und Lebensmittel nicht genug, sind Mieterinnen und Mieter auch noch erhöhten Zahlungsaufforderungen ihrer Vermieter ausgesetzt. Häufig sei dabei nicht nachvollziehbar, wie sich geforderte Beträge zusammensetzen, kritisierte das bundesweite »VoNo!via-MieterInnenbündnis« in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Von pauschalen Erhöhungen der Nebenkosten um bis zu 20 Prozent war die Rede.

Das Bündnis befürchtet, dass sich die Konzerne mit »falschen bis betrügerischen Abrechnungen bereichern«, und appelliert, Nebenkostenforderungen – gerade von Branchenprimus Vonovia und der zweitgrößten LEG – niemals ungeprüft zu akzeptieren. Zur von der Regierung beschlossenen Übernahme der Abschlagszahlungen für Dezember meinte das Bündnis, das helfe den Mietern wenig, da mit dem »Endkunden«, also häufig dem Vermieter selbst, abgerechnet werde. Berücksichtigt wird dieser Teil der Gaspreisbremse erst bei der nächsten Heizkostenabrechnung, womöglich erst Ende 2023.

Der Vorwurf der Initiative ist nicht neu: Mit den Nebenkosten stellen Wohnungskonzerne gerne nie entstandene Kosten in Rechnung. Vonovia und LEG lassen Strom und Heizung zudem von eigenen Tochterunternehmen besorgen – stellen sich also selbst die Rechnungen aus. Das Bündnis geht davon aus, dass Vonovia Gas und Strom über lange Lieferverträge erhält, von den derzeitigen Preissprüngen also nicht betroffen ist. Die Initiative hatte bereits im April bei einem Besuch in der Vonovia-Zentrale Einsicht in die Unterlagen des Konzerns gefordert.

Auf Nachfrage von junge Welt wiederholte Vonovia am Donnerstag altbekannte Äußerungen: Man arbeite bei Nebenkosten »korrekt und professionell«, beteuerte Unternehmenssprecher Matthias Wulff. Befragungen würden zeigen, dass »die überwältigende Mehrheit mit den Informationen zu Nebenkosten zufrieden« sei. Auch die LEG wies die Vorwürfe auf jW-Nachfrage zurück. Tochterunternehmen würden Energie »zu den jeweiligen Marktpreisen« einkaufen und »genau in derselben Höhe« an Mieter weiterreichen, hieß es aus der Düsseldorfer Konzernzentrale. Man halte sich »ganz generell an die gesetzlichen Auflagen« und »komme diesen nach«.

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