Vio.Me, die seit 2012 von den Arbeiter*innen besetzte und seit 2013 in Selbstverwaltung produzierende Seifenfabrik in Thessaloníki, feierte am 3. und 4. Juni 2022 mit tausenden Unterstützer*innen ein rauschendes Fest zum 9-jährigen Betriebsjubiläum.

Die nach wie vor einzige in Griechenland existierende Fabrik in Arbeiter*innenselbstverwaltung beweist damit erneut ihr Durchhaltevermögen und die trotz der immer wiederkehrenden staatlichen Versuche das Projekt zu beenden, ungebrochene Kampfkraft und Lebensfreude der beteiligten Aktivist*innen. Mehrere Tausend Unterstützer*innen aus ganz Griechenland, Aktivist*innen sozialer Bewegungen, besetzter Häuser, Gewerkschaften und feministischer Organisationen begingen das Jubiläum mit einem alternativen Produzent*innen-Markt, Diskussionen, Film- und Theatervorführungen, Tanz und den Konzerten bekannter griechischer Musiker*innen wie Natása Bofíliou, Dimítris Zervoudákis, Thémis Karamouratídis und vieler anderer.

Repression gegen Vio.Me

Der letzte direkte staatliche Angriff auf die Fabrik war nicht unerwartet am 30. März 2020 erfolgt. Schließlich hatte die erst seit einigen Monaten amtierende neoliberal-reaktionäre Regierung unter Kyriákos Mitsotákis (Néa Dimokratía) schon im Wahlkampf harte Repression gegen anarchistische Projekte, besetzte Häuser und selbstverwaltete Fabriken angekündigt. Mit großem Polizeiaufgebot wurde Vio.Me mitten in der Quarantäne der Strom abgestellt. „Ein Kran war aufgestellt und die Aktion wurde von zwei Einheiten der Spezialeinsatzkräfte mit Gefangenentransportern durchgeführt, was eindeutig auf einen politischen Auftrag hinweist“, beschrieben die Arbeiter*innen den Angriff in einer Pressemitteilung. Sie beklagten darin auch die fehlende Solidarität der „Kollegen“ des Öffentlichen Elektrizitätsunternehmens (DEI), ohne die das Abklemmen des Stroms nicht möglich gewesen wäre.

Ein Generator für Vio.Me

In den Jahren davor hatten die Vio.Me-Arbeiter*innen und die Solidaritätsbewegung wiederholt erfolgreich die Zwangsversteigerung ihrer Fabrik verhindert. Letztendlich fand sich kein Investor, der freiwillig für viele Millionen Euro ein marodes Fabrikgelände mit kämpferischer Belegschaft ersteigert hätte. Schon im September 2019 hatten die Kolleg*innen von Vio.Me deshalb richtig vermutet, dass der nächste staatliche Angriff über die Kappung der Stromversorgung erfolgen werde, und zu einer Spendenkampagne für den Kauf eines Generators aufgerufen. Dieser wurde kurz nach der Stromkappung in Betrieb genommen.

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