Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen gingen am 30. Oktober  in Bern auf die Straße. Sie wollten ein klares Zeichen für ein „Ja zur Pflegeinitiative“ setzen. Über diese Initiative wird am 28. November abgestimmt. Circa 5000 Menschen folgten dem Aufruf von Gewerkschaften und Pflegeinitiativen.

Delegationen aus der gesamten Schweiz fanden sich auf der Schützenmatte ein und zogen von dort zum Bundesplatz. Vor dem Bundeshaus fand eine Kundgebung statt. Auf dieser sprachen VertreterInnen und Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen. Seit 20 Monaten arbeiten sie am Limit und weit über ihre Grenzen hinaus. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege waren schon vor der Pandemie prekär. Doch nun verschärft sich der Pflegemangel immer weiter. Viele verlassen den Beruf, weil sie dem Druck nicht mehr standhalten.

Applaus und warme Worte allein reichen weder in der Schweiz noch in Deutschland. Es braucht bessere Arbeitsbedingungen und mehr Pflegekräfte. Denn „Für gute Pflege braucht es viele Hände“, so ist auf einem der zahlreichen Plakate zu lesen. Die Pflegeinitiative fordert, ausbildungsoffensiven zu starten. Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden, um Berufsausstiege zu verhindern. Denn es braucht nicht weniger, sondern viel mehr Personal in Spitälern und Altenpflegeheimen. In der Schweiz ist die Qualität der Pflege gefährdet. Laut der Initiative sind derzeit 11700 Stellen unbesetzt. Vier von Zehn Pflegenden verlassen den Beruf frühzeitig. Dabei brauche es bis 2029 weitere 70000 neue Pflegende. Hier finden sich weitere Infos zur Initiative.

Deniz Killi, Pflege HF i.A. l Präsidium Verein Pflegedurchbruch, betonte in ihrer Rede, die Pandemie habe nur verdeutlicht, was schon zuvor klar war: „Dieses System macht uns krank“. Sie kritisierte, dass in Altenpflegeheimen der Nachtdienst unterbesetzt ist. Dies bedeute, der Nachtdienst wurde von drei auf eine Kraft reduziert, und diese ist dann für 98 PatientInnen zuständig.  Neben der Betreuung der BewohnerInnen müssen auch noch andere Aufgaben wie Medikamente für den Frühdienst vorbereiten geschafft werden. Aufgrund des Zeitdrucks werden BewohnerInnen oftmals nur einer unwürdigen „Katzenwäsche“ unterzogen, weil für mehr die Zeit fehlt. In Spitälern kommt es zu mangelnder Frühmobilisierung nach Operationen, und oft müssen PatientInnen lange auf eine Medikamentengabe warten. In den Psychiatrien kann Einzelbetreuung bei psychisch Erkrankten nicht gewährleistet werden, weil Personal und Zeit fehlt. Auch wenn Zeit Geld ist, eine gute Pflege braucht genug Zeit, das lässt sich nicht wegsparen.

An den freien Tagen einspringen zu müssen, kommt viel zu häufig vor, denn: „Ja, sagen braucht manchmal weniger Energie als Nein“, und so arbeite man sieben Tage die Woche aus Verantwortungsgefühl gegenüber PatientInnen und KollegInnen. Weiter sagte Killi: „Wir sind frustriert, wir können unsere Freizeit nicht gestalten und wir werden selber krank. Was macht das alles mit uns? Mir könne nim, möge nim und so wan mir nim.“

Auf Plakaten, Transparenten und Luftballons verdeutlichten die DemonstrantInnen ihre Forderungen und Anliegen wie: „Ja, zur Pflegeinitiative“, “Gesundheit vor Profit. Pflegende sind keine Maschinen. Gesundheit ist keine Ware“, „Who Care(s)?“, „Applaus reicht nicht aus“, „Streiken bis der Arzt kommt“, „Weil wir keine Oktopusse sind, braucht es mehr Menschen in der Pflege“, „Gesundheitspersonal – En Lutte“ (Gesundheitspersonal – Im Kampf). Aber auch Angehörige machten deutlich, was der Pflegenotstand für Auswirkungen hat. So war auf einem Plakat eines Mannes zu lesen, dass er für seine Mutter keinen Pflegeplatz findet, weil das Personal fehlt.

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