Nach den jüngsten Massenentlassungen ziehen Fah­re­r:in­nen vor Gericht. Gleichzeitig geht Gorillas gegen Wahlvorstand des Betriebsrats vor.

Der Streit um die Arbeitsbedingungen beim Lieferdienst Gorillas beschäftigt nun die Gerichte. In den kommenden Wochen stehen gleich mehrere Termine an, bei denen Klagen von ehemaligen Ridern (Lieferfahrer:innen) gegen ihre Kündigung verhandelt werden. Zudem steht eine Klage des Unternehmens gegen den Wahlvorstand des Betriebsrats im Raum.

Anfang Oktober hatte Gorillas laut Angaben der Gewerkschaft Verdi 350 Rider entlassen. Als Begründung gab die Pressestelle des Unternehmens gegenüber der taz an, die Kündigungen seien aufgrund der „unangekündigten wilden Streiks“ sowie der Blockade von Notausgängen erfolgt. „Solche unangekündigten, spontanen und nicht gewerkschaftlich getragenen Streiks sind rechtlich nicht zulässig“, ließ die Pressestelle damals mitteilen.

Ob diese Einschätzung zutrifft, werden nun die Gerichte klären müssen. Einige Rider zielen lediglich auf die Rücknahme ihrer Kündigung ab. Doch anderen geht es um einen größeren politischen Zusammenhang. Sie sind bereit, bis nach Straßburg an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen, um final feststellen zu lassen, ob das deutsche Streikrecht zulässig ist.

Duygu Kaya ist Mitglied des Gorillas Workers Collective. Ihr gehe es nicht nur darum, ihren Job zurückzubekommen, sagt sie. Auch Kaya wurde Anfang Oktober wegen ihrer Streikteilnahme entlassen. Sie hat bereits einen neuen Job gefunden, aber: „Überall werde ich dieselbe Prekarität, dieselben schlechten Arbeitsbedingungen antreffen wie bei Gorillas.“ Dagegen müsse man bei Gorillas ebenso ankämpfen wie bei anderen Lieferdiensten wie Wolt oder Getir. Die einzige Waffe, die die Belegschaft habe, sei der Streik.

Durch die Instanzen für den wilden Streik

Und der ist in Deutschland bislang zu Ungunsten von Betriebsgruppen wie dem Gorillas Workers Collective geregelt. Streiken gehört zu den Grundrechten der Ar­bei­ter­neh­me­r:in­nen in Deutschland, allerdings nur, wenn der Streik von einer offiziellen Gewerkschaft organisiert ist. Verdi hat sich bisher nicht dazu bereit erklärt, die Streikenden bei Gorillas als Teil der Gewerkschaft anzuerkennen.

Mehr lesen (taz.de)